Auftragsmorde und Drogenhandel: So kämpfen niederländische Behörden gegen die „Mocro Mafia“

Rundschau | Auftragsmorde und DrogenhandelSo kämpfen niederländische Behörden gegen die „Mocro Mafia“Von Dierk Himstedt08.07.2024, 18:06 UhrLesezeit 4 Minuten Schwer bewaffnete Polizisten sichern den Bereich vor dem Hochsicherheitsgericht in Amsterdam ab. Hier fand einer der größten Prozesse in der niederländischen Geschichte mit 17 Angeklagten, die Mitglieder der so genannten Mocro-Mafia sind und der Beteiligung an sechs Morden und vier Mordversuchen beschuldigt werden. Ende Februar wurde das Urteil gefällt. (Archivbild)Copyright: dpaMitglieder der „ Mocro“-Mafia haben in den vergangenen Jahren schwerste Verbrechen in den Niederlanden und anderen Staaten zu verantworten.„Eine gut geölte Tötungsmaschine“ – mit diesen drastischen Worten beschrieb die zuständige niederländische Staatsanwaltschaft Anfang des Jahres das Banden-System um den Hauptverdächtigen Ridouan Taghi. Der 46-Jährige ist der mutmaßliche Kopf der sogenannten „Mocro“-Mafia, einer hauptsächlich aus Marokkanern bestehenden Organisation, die mit ihrem über niederländische und belgische Häfen laufenden Kokainhandel Milliarden umsetzt. Anlass der staatsanwaltschaftlichen Aussage war das Ende eines jahrelangen Mammutprozesses, der in die Kriminalgeschichte der Niederlande eingehen wird. Am 27. Februar erging das Urteil im Hochsicherheitsgericht „De Bunker“ in Amsterdam. Taghi wurde von den Richtern wegen mehrfachen Mordes und weiterer schwerer Straftaten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die übrigen 14 angeklagten Bandenmitglieder wurden zu teils langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.Die Hauptverhandlung des jahrelangen sogenannten “Marengo”-Prozesses mit 142 Verhandlungstagen, sechs Einsprüchen und zehntausenden Aktenseiten begann am 22. März 2021. Der Begriff ist willkürlich gewählt. Ein Polizei-Computer hatte diesen per Zufallsgenerator ausgespuckt. Was sich dann in den darauf folgenden Monaten und Jahren in „De Bunker“ abspielte, war ein beispielloses Verfahren unter höchster Sicherheitsstufe, wie es die Niederlande bisher noch nicht gesehen hatte. Richter, Staatsanwälte sowie Angeklagte und Zeugen wurden an den Prozesstagen unter schärfstem Polizeischutz begleitet, bis schließlich die Urteile im Hochsicherheitsgericht von Amsterdam Ende Februar verkündet wurden.Taghi war der meistgesuchte Verbrecher der NiederlandeDer aus Marokko stammende 46-jährige Hauptangeklagte Taghi gilt als Chef eines der größten Kokainhändlerringe in den Niederlanden. Bis zu seiner Festnahme 2019 in Dubai galt er als der meistgesuchte Verbrecher des Landes. Bis zu 100.000 Euro lobte die Polizei damals für Hinweise aus, die zu seiner Ergreifung führen. Die Liste der Verbrechen, wegen der Taghi und die weiteren Mitangeklagten am 27. Februar nun zu unterschiedlichen langen Haftstrafen verurteilt wurden, ist lang: Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie Beteiligung an sechs Morden, vier Mordversuchen und der Vorbereitung weiterer Morde im Zeitraum von 2015 bis 2017.Einem der Angeklagten, Nabil B., kam bei dem Verfahren eine besondere Rolle zu. Nachdem er sich im Januar 2017 freiwillig hat festnehmen lassen – verbunden mit der Hoffnung auf eine mildere Strafe -, wurde er zum Kronzeugen dieses spektakulären Prozesses. Die Folgen nach der Öffentlichmachung, dass Nabil B. gegen die „Mocro-Mafia“ aussagen würde, waren jedoch fatal. Die Bande reagierte laut den Ermittlern mit einem Rachefeldzug, indem sie den Bruder des Kronzeugen ermorden ließ und wenig später auch seinen Anwalt.Mocro-Mafia auch in Mord an Kriminalreporter de Vries verwickeltEin weiterer spektakulärer Mord steht nach Auffassung der leitenden Staatsanwaltschaft ebenfalls in Verbindung mit der Kronzeugen-Aussage und der Mocro-Mafia-Organisation um den Hauptangeklagten Taghi. Die Vertrauensperson des Kronzeugen Nabil B., der prominente Kriminal-Reporter Peter R. de Vries, wurde im Juli 2021 bei einem Mordanschlag von mehreren Schüssen im Zentrum von Amsterdam lebensgefährlich verletzt. Neun Tage nach dem Attentat erlag der Journalist im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.Der Mordfall de Vries wurde im Marengo-Prozess nicht mitverhandelt. Ein Strafverfahren lief parallel dazu seit 2022 gegen mehrere Verdächtige. Das Amsterdamer Strafgericht hatte in diesem Fall Mitte Juni drei Männer wegen Mordes an dem niederländischen Journalisten Peter R. de Vries schuldig gesprochen und zu hohen Haftstrafen von bis zu 28 Jahren verurteilt. Knapp drei Jahre nach dem Mord in Amsterdam verurteilten die Richter auch vier weitere Angeklagte zu Haftstrafen von bis zu 14 Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord an dem prominenten Reporter.Kronprinzessin Amalia sollte entführt werdenEtwas mehr als ein Jahr nach der Ermordung von de Vries wurden die Niederländer abermals durch Ermittlungen gegen die Mocro-Mafia aufgeschreckt: Im Herbst 2022 wurde gemeldet, dass die Kronprinzessin von der Mocro-Mafia bedroht werde. Bereits seit längerer Zeit soll sich Amalia, die Tochter von König Willem-Alexander und Königin Máxima, im Visier der Bande befunden haben.Offenbar planten Mitglieder der Bande, die damals 18-Jährige zu entführen. Vermutlich, wie die Ermittler damals vermuteten, um den Hauptverdächtigen und Kopf der Mocro-Clans, Ridouan Taghi sowie weitere führende Köpfe aus der Untersuchungshaft freizupressen. Die akute Bedrohungslage zwang die Kronprinzessin zur Rückkehr in den Königspalast. Zum Hintergrund: Amalia hatte kurz zuvor ein Studium in Amsterdam begonnen. Dazu zog sie extra in eine Wohngemeinschaft, außerhalb des Palastlebens.SEK-Einsatz in Köln-RodenkirchenGegen Mitglieder der Mocro-Mafia wird auch bei den insgesamt sechs Festnahmen ermittelt, die ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei Köln am vergangenen Freitag in Rodenkirchen vorgenommen hatte. Laut Aussage der Polizei war eine Entführung zweier Personen in Bochum vorausgegangen, die als Geiseln genommen wurden. Die Spuren führen in die organisierte Drogenkriminalität der niederländischen Mocro-Bande. Am darauffolgenden Samstag seien dann Spezialkräfte in weitere sechs Wohnungen – hauptsächlich im rechtsrheinischen Köln – eingedrungen, mit zwei weiteren Festnahmen.
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