4853 Euro brutto für den Fahrlehrer

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Adrian verbringt beruflich viel Zeit im Straßenverkehr. Während seine Mutter früher seinen Fahrstil kritisierte, ist er heute in der Position, sie ab und zu freundlich auf die Geschwindigkeitsbegrenzung hinzuweisen. Obwohl er zugibt, sich selbst auch nicht immer ganz daran zu halten.

Was ich als Fahrlehrer mache

„Meine Aufgabe ist es, den Schülern das sichere, umweltbewusste und verantwortungsvolle Autofahren beizubringen. Dazu gehört im Kontext der Fahrschule auch das Vorbereiten auf die Prüfung. Jeder erinnert sich an die Fahrschulzeit, mir ist bewusst, dass ich im Gedächtnis meiner Schüler bleibe. Deswegen ist es mir sehr wichtig, ein guter Lehrer zu sein, die Schüler also auch eine möglichst positive Zeit haben.“

Wie mein typischer Arbeitstag aussieht

„Einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir nicht. Mein Tag ist immer abhängig von den Schülern. Meistens arbeite ich vormittags, habe dann eine längere Pause und mache am Abend noch mal ein paar Stunden. Wenn Schüler schon am Morgen Zeit haben, kann ich früher starten. Meinen Arbeitsplan erstelle ich komplett selbst. Ich habe die Kontakte von meinen Schülern, teilweise auch ihren Stundenplan und plane dann immer eine Woche im Voraus. Dadurch habe ich die Möglichkeit, Fahrstunden so zu legen, dass ich mir für einen Arzttermin nicht extra freinehmen müsste. Meine Fahrschüler hole ich dann entweder zu Hause ab, wenn sie im Gebiet wohnen, oder auch an der Schule. Alle zwei Wochen gebe ich auch Theorieunterricht. Da wechsel ich mich mit meinen Kollegen ab. Dann machen wir immer zwei Lektionen am Abend, also zweimal 90 Minuten.“

Was der Job mit meinem Privatleben macht

„Ich kann die Rolle des Fahrlehrers nach Feierabend nur schwer ablegen. Teilweise sprechen mich Leute im Supermarkt an, wenn ich meine Arbeitskleidung trage, und stellen mir Fragen zu Fahrstunden. Wenn ich bei Freunden oder vor allem meiner Mutter Beifahrer bin, sage ich denen auch, wenn sie zu schnell fahren. Auch wenn ich sie natürlich nicht wie einen Fahrschüler anleite. Zum Glück nehmen sie das mittlerweile locker. Manchmal gibt es auch Situationen im Straßenverkehr, die mich mitnehmen. Es ist schon passiert, dass ein Schüler auf den Einfädelungsstreifen der Autobahn gefahren ist, die Kurve nicht eng genug genommen hat und auf der rechten Spur ein Lkw kam. Der hat gehupt und ich habe gerade noch das Lenkrad rüber gerissen. An solchen Tagen komme ich abends nach Hause und bin froh, dass ich noch lebe.“

Der blödeste Grund warum ich eine Fahrprüfung beenden musste

„Ich hatte einen Schüler, der leider nicht sehr sicher beim Fahren war. Ein Tag vor der Prüfung habe ich mit ihm noch mal über das Grünpfeilschild gesprochen. Wir sind extra an die Stelle gefahren, ich habe ihm erklärt, dass man an der Haltelinie stoppen muss. Es war mir wichtig, dass er es schafft und es nicht daran scheitert. In der Prüfung ist er top gefahren. An der Stelle mit dem Schild, die wir am Tag zuvor angeschaut haben, ist er einfach darübergefahren. Ich musste eingreifen und die Prüfung war beendet. Der Schüler war der Meinung, er müsse erst an der Sichtlinie stoppen. Das ist natürlich falsch, man kann ja auch nicht ohne zu stoppen über die rote Ampel fahren.“

Welche Fragen ich auf Partys gestellt bekomme

„Die meisten Menschen fragen mich, warum der Führerschein so teuer ist. Viele haben auch das Vorurteil, dass ich nicht arbeiten würde und nur nebendran säße. Das ist totaler Quatsch. Ich trage eine unfassbar große Verantwortung für die Schüler, muss immer aufmerksam sein oder auch den Theorieunterricht vorbereiten. Manche Menschen sagen mir, dass sie nicht die Geduld für den Job hätten und sich immer aufregen würden, wenn die Schüler nicht das machen, was man von ihnen möchte.“

Welche Eigenschaften ich für den Job brauche

„Man muss extrem geduldig sein, was ich auch erst lernen musste. Meiner Meinung nach hilft es, wenn man eher extrovertiert ist, damit man auf unterschiedliche Schüler eingehen, die Stimmung auflockern und eine Verbindung aufbauen kann. Außerdem sollte man kein Problem damit haben, keinen typischen Nine-to-five-Job zu haben. Es kann vorkommen, dass man erst nachmittags anfängt zu arbeiten und dann bis spätabends. Vor allem im Sommer, wenn es spät dunkel wird, muss man Nachtfahrten nach hinten schieben.“

Wie ich zu dem Job gekommen bin

„Ursprünglich war ich Kfz-Mechatroniker. Dann hatte ich leider einen Bandscheibenvorfall, wodurch ich den Beruf nicht mehr ausüben konnte. Ich habe lange überlegt, was ich stattdessen machen möchte. Meine Mutter kam dann auf die Idee, dass ich als Fahrlehrer arbeiten könnte. Ich habe mir eine Fahrlehrerschule gesucht, bei der ich acht Monate in Vollzeit Unterricht hatte.

Es gibt Unterrichtsfächer wie Recht, Technik oder auch Pädagogik, in denen man eine schriftliche und mündliche Prüfung ablegen muss. Man hat auch eine praktische Fahrprüfung, die sehr schwer ist, weil jeder Blick, jedes Blinken perfekt sitzen muss. Sowohl das Fahren mit einem Pkw als auch mit einem Anhänger sind Teil der Prüfung, beides braucht man als Fahrlehrer für die Klasse BE. Nach den bestandenen Prüfungen ist man erst mal nur Fahrlehreranwärter. Das bedeutet, dass man erst im Auto bei meinem Ausbildungsfahrlehrer mitfährt und Notizen macht. Nach einer gewissen Zeit darf man vorn sitzen und die Stunde leiten, während der Fahrlehrer hinten sitzt und unterstützt. Vier Monate später hatte ich meine Lehrprobe, in der geprüft wurde, wie ich mit Schülern umgehe und den Unterricht aufbaue. Erst danach war ich ein richtiger Fahrlehrer.“

Vorstellung vs. Realität

„Am meisten habe ich das Risiko unterschätzt, dem ich jeden Tag ausgesetzt bin, wenn ich mit Menschen unterwegs bin, die eigentlich keine Ahnung vom Fahren haben. Die Schüler machen das nicht mit böser Absicht, sie wissen es einfach nicht besser. Ich hätte allerdings nie gedacht, so oft in Situationen zu landen, die sehr brenzlig werden, wenn ich nicht eingreife. Ich dachte auch immer, dass die Arbeitszeiten unflexibel sind. Da kommt es echt drauf an, wie viele Schüler man hat. Habe ich ein paar, die sehr flexibel sind, kann ich die Fahrstunden legen, wie es für mich passt.“

Wie viel ich verdiene

„Ich verdiene 4853 Euro brutto im Monat und bin damit zufrieden. Ich habe eine ein Prozent Finanzierung von meinem Firmenfahrzeug, die bei dem genannten Gehalt schon abgezogen ist. Dafür darf ich mein Fahrschulauto komplett privat nutzen, also auch um in den Urlaub zu fahren und ich habe eine Tankkarte. Grundsätzlich kann mein Gehalt jeden Monat ein bisschen unterschiedlich sein. Ich habe einen Vertrag über 200 Stunden, was aber nicht Zeitstunden, sondern Unterrichtseinheiten sind. Heißt, ich werde auf 45 Minuten bezahlt und wenn ich einen Monat mehr Unterrichtseinheiten mache, bekomme ich die ausgezahlt.“

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