Eric Schreber arbeitet als Gerüstbauer im Familienunternehmen. Mittlerweile ist er auch Bauleiter und Geschäftsführer. Nach dem Abitur studierte er zunächst BWL, heute verbringt der 25-Jährige seine Tage meist auf Baustellen statt im Büro. Viele verbinden seinen Beruf vor allem mit körperlicher Arbeit, für Eric gehört jedoch mehr dazu.
Was ich als Gerüstbauer mache
„Wir bauen die Gerüste an Baustellen auf und ab, damit Gebäude gebaut oder renoviert werden können. Dazu gehört auch, genau zu planen, wie viel Gerüst benötigt wird und zu kontrollieren, ob es sicher und stabil steht. Unsere Projekte sind dabei ganz unterschiedlich. Für kleine Gerüste, etwa für Photovoltaikanlagen, brauchen wir nicht so lange. Da können wir sogar drei bis vier Gerüste pro Tag montieren. Wenn wir aber eine Schule einrüsten, kann das auch mal drei Tage dauern. Wie lange ein Gerüst steht, hängt vom Projekt ab: Neubauten bleiben meist anderthalb Jahre an einem Ort, Sanierungen drei bis vier Monate, Photovoltaikprojekte zwei bis vier Wochen. Ab einer Dauer von drei Monaten fahren wir zwischendurch zu den Gerüsten, um zu prüfen, ob noch alles passt. Die Kosten pro Gerüst liegen zwischen 500 und 10 000 Euro, je nachdem, wie viel benötigt wird und wie lange es stehen bleibt.“
Wie mein typischer Arbeitsalltag aussieht
„Der Arbeitstag beginnt um acht Uhr. Im Sommer nutzen wir jedoch die kühleren Morgenstunden und starten bereits um 6:30 Uhr. Dann richten wir erstmal den LKW mit einem Stapler. Das heißt: Wir überlegen uns, welches Material wir für das Gerüst brauchen. Die Bauteile für das Gerüst haben wir alle in unseren Lagerräumen.
Um uns vor Abstürzen zu schützen, montieren wir beim Aufbau ein Sicherungsgeländer. Dafür bauen wir zuerst unser Gerüst auf eine Höhe von zwei Metern und klemmen das Sicherheitsgeländer von unten an das Gerüst an. Das Montagesicherungsgeländer wächst dann praktisch mit dem Gerüst mit. Manchmal ist das bei besonderen Gebäuden, zum Beispiel bei einem Glasvorbau, nicht möglich. Dann müssen wir einen Fallgurt tragen. In den neunziger Jahren war das übrigens die einzige Absturzsicherung, heute ist das unvorstellbar.
Meistens bauen wir Gerüste zu dritt auf, bei größeren Gebäuden auch mal zu sechst. Insgesamt sind wir etwa acht Männer im Team. Frauen gibt es bei uns leider keine.
Nach acht Stunden endet der Arbeitstag meistens. Am Ende des Tages sieht man den Fortschritt deutlich. Es fühlt sich gut an, zu sehen, was ich mit meinen Händen schaffen kann.“
Was mein Job mit meinem Privatleben macht
„Gerüste fallen mir inzwischen überall auf — egal ob im Urlaub oder unterwegs. Ich schaue dann automatisch genauer hin, ob sauber gearbeitet wurde. Innerhalb der EU sehe ich da kaum Unterschiede. Auf den Philippinen wirkte es dagegen deutlich riskanter: Dort werden oft sehr dünne Rohrgerüste verwendet, das wirkte auf mich nicht so sicher.
Im Alltag merke ich außerdem, dass ich mehr Kraft habe. Auf der Baustelle heben wir alles per Hand. Wenn wir ein sieben Tonnen schweres Gerüst aufbauen, heben wir dieses Gewicht in Summe.“
Wie ich zu dem Job gekommen bin
„Ich habe neben meinem BWL-Studium auf Minijob-Basis im elterlichen Gerüstbaubetrieb gearbeitet. Mit der Zeit hatte ich immer weniger Lust, an den Vorlesungen teilzunehmen. Stattdessen half ich viel auf der Baustelle mit, bis ich das Studium irgendwann abbrach und die Ausbildung zum Gerüstbauer anfing. Normalerweise dauert die Ausbildung drei Jahre, ich konnte sie wegen meines Abiturs auf zwei Jahre verkürzen. Man lernt zunächst, wer alles an einer Baustelle beteiligt ist – vom Bauherrn bis zum Architekten – und wie man sich auf einem Gerüst richtig verhält. Man lernt die verschiedenen Gerüste kennen und hat viel Matheunterricht. Zum Beispiel, um die Abstände zwischen den Gerüstteilen genau ermitteln zu können. Ein wichtiger Bestandteil ist die Statik, um beispielsweise die Ankerkräfte berechnen zu können, damit das Gerüst sicher steht.“
Welche Fragen ich auf Partys gestellt bekomme
„,Da brauchst du ja nicht mehr ins Fitnessstudio gehen, oder?‘ Diese Frage bekomme ich ständig gestellt. Ich sehe das anders: Gerüstbau ist zwar körperlich anstrengend, belastet aber oft nur bestimmte Muskelgruppen. Wir heben die Teile nur auf einer Schulter, beanspruchen also nur die Muskulatur auf einer Seite. Um das auszugleichen, gehe ich zusätzlich ins Fitnessstudio, jogge, fahre Rennrad oder schwimme.
Leider werde ich auch oft gefragt, ob ich schon einmal im Gefängnis war. Das Vorurteil, Gerüstbau sei reine Knastarbeit, hält sich hartnäckig. Dabei ist der Job mehr als nur körperlich schwere Arbeit.“
Vorstellung vs. Realität
„Ich habe nicht erwartet, dass der Job so vielfältig ist. Wie viele unterschiedliche Gerüste es gibt. Was man alles mit dem Gerüstmaterial bauen kann. Wir haben zum Beispiel Fluchttreppen, Bühnen, Hängegerüste unter Brücken, Wetterschutzdächer oder in sich geschlossene Hallen gebaut.“
Ob ich schon mal vom Gerüst gefallen bin
„Bisher nicht. Ich kenne auch niemanden aus unserer Firma, der schon einmal vom Gerüst gefallen ist. Besonders durch das Montagesicherungsgeländer und den Fallgurt passiert sowas heute viel seltener als früher. Einmal habe ich mich aber richtig erschrocken: Wir standen auf 20 Metern Höhe, als es plötzlich an die Scheibe klopfte. Ich war nach vorne gebeugt, schaute nach unten und hörte das Klopfen nur von hinten. Erst dachte ich, die Person will sich über den Lärm beschweren. Das kommt öfter mal vor. Im Endeffekt wollte uns die Person aber nur Kaffee anbieten.“
Welche Eigenschaften ich für den Job brauche
„Man sollte körperlich belastbar sein und idealerweise keine Höhenangst haben. Manchmal geht es für Gerüstbauer sehr hoch hinauf, in Großstädten bis zu 80 Metern Höhe. Wir waren bisher nur auf 40 Metern. Generell mag ich es aber sehr, in der Höhe zu arbeiten. Die Arbeit findet hauptsächlich draußen statt und vom Gerüst aus hat man oft einen richtig schönen Panoramablick über die Weinberge in der Pfalz.
Mathe und Physikkenntnisse sind außerdem essenziell, aber man muss kein Supergenie sein. Wichtig ist vor allem Sorgfalt. Im schlimmsten Fall kann ein Gerüst kippen oder nachgeben, ein Bauarbeiter könnte sich dann lebensgefährlich verletzen. Es passiert häufiger, dass man sich die Finger zwischen den schweren Teilen einquetscht, als ein Gerüst nachgibt oder umkippt.“
Wie viel ich verdiene
„Insgesamt komme ich auf rund 4600 Euro brutto im Monat, während ein Gerüstbauer im Durchschnitt etwa 3300 Euro brutto im Monat erhält. Im Großen und Ganzen bin ich mit meinem Gehalt zufrieden, auch wenn ich ehemalige Mitschüler kenne, die wohl weniger Verantwortung tragen, aber ähnlich gut oder sogar besser verdienen.“