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Beiträge veröffentlicht in Januar 2019

Neuer Vorschlag: Rettungsversuch für die Notfallpraxis in Köln-Chorweiler

Es ist ein Etappensieg. Die Chorweiler Notfallpraxis könnte bis Ende des Jahres geöffnet bleiben, das bestätigte Jürgen Zastrow, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) der Kreisstelle Köln, dem „Stadt-Anzeiger“. Ursprünglich sollte die medizinische Anlaufstelle, die vom Verein „Der Kölner Norden e.V.“ betrieben wird, im Rahmen der umstrittenen Neustrukturierung der Kölner Notfallpraxen am 1. August schließen.

Zastrow: „Wir haben dem Verein angeboten, die Praxis bis Ende des Jahres zu führen.“ Der Verein müsste wie geplant die Kündigung am 1. Februar aussprechen, ab diesem Zeitpunkt übernimmt die KV die Verträge und überführt die Praxis in die hauseigene GMB Gesundheitsmanagementgesellschaft. Die verbleibende Zeit könne genutzt werden, um eine Lösung zu finden, „mit der alle leben können.“ Laut dem Vereins-Vorsitzenden Tom Wattenberg gibt es heute Abend ein Treffen aller Mitglieder. Dort sollen der KV-Vorschlag sowie weitere Varianten „ergebnisoffen“ diskutiert werden.

Scharfe Kritik an Schließungsplänen

Die Nachricht, die Dependance in Chorweiler zu schließen, hatte für scharfe Kritik geführt. In einer Aktuellen Stunde der Bezirksvertretung Chorweiler, an der Zastrow und die Praxisorganisatorin Lilo von Wersch ebenfalls teilnahmen, entbrannte eine teils heftige Diskussion. Das Stadtteilparlament beschloss einstimmig eine Resolution zum Erhalt der Praxis in Chorweiler. Alle Mitarbeiter seien aufgrund der Schließung „sehr entsetzt“ gewesen, sagte von Wersch.

Bislang sei dort „alles wie am Schnürchen“ gelaufen. Der Bezirk habe nach der Schließung keine Versorgung mehr, viele Patienten seien gezwungen, in die nächsten Praxen nach Dormagen, Ehrenfeld und Nippes zu fahren. „Wir haben in Chorweiler eine hohe Arbeitslosigkeit und in umliegenden Stadtteilen viele ältere Patienten“, so von Wersch. Die seien oft nicht in der Lage, Auto zu fahren und müssten stattdessen Bus und Bahn nutzen. „Das ist nicht zumutbar.“ Sie bat Zastrow, die Schließung zu überdenken. Mittlerweile gibt es auch eine Liste mit 3500 Unterschriften zum Erhalt der Dependance.

„Sie lassen die Menschen im Stich“, sagte Eike Danke von der SPD zu Zastrow. „Es ist nicht tragbar, dass man den Stadtbezirk so unterversorgt lässt“, klagte auch Grünen-Fraktions-Chef Wolfgang Kleinjans. „Das System krankt. Es gibt in Chorweiler generell kaum Fachärzte, nur wenige Allgemeinärzte.“ Es sei keine Frage der Wirtschaftlichkeit, es gehe um das Wohl der Patienten, sagte Klaus Roth von den Linken. „Wir geben die Notfallpraxis nicht preis.“ Auch SPD-Ratsmitglied Jürgen Kircher mahnte Zastrow: „Gehen Sie mal in sich und überlegen Sie, was Sie machen. Hier geht es um Menschen.“ „Sie wollen Kosten sparen und mit den Notfallpraxen die Ambulanzen an den Krankenhäusern entlasten“, so Rainer Stuhlweißenburg von der CDU. „Das verkaufen Sie uns aber nicht so und das ist eine Unverschämtheit.“ Auch die Bürgervereine aus Pesch und Heimersdorf protestieren gegen die Schließung.

Zastrow erklärte, dass die Schließung auf einer Vorgabe des NRW-Gesundheitsministeriums beruht. Demnach dürfen Notfallpraxen nur noch an Krankenhäusern angesiedelt sein und bereits seit 2013 nicht mehr von Vereinen betrieben werden. „Das sind zwei K.o.-Kriterien, wo wir leider keinen Spielraum haben“, verteidigte der hauptberufliche Arzt die Entscheidung. Durch die Zentralisierung des ärztlichen Fahrdienstes stünden zudem mehr Autos zur Verfügung und mehr Möglichkeiten für Hausbesuche. „Wir bemühen uns in Köln um die Steuerung von Versorgung. Wie viel Notfallpraxen brauchen wir für wie viel Menschen?“ Berlin habe zwei Notfallpraxen, Düsseldorf eine, Köln aktuell acht. „ In meinen Augen kann man in Köln mit sechs Notfallpraxen gut auskommen und hätte immer noch die größte Dichte bundesweit.“ Auch Wattenberg sagte dem „Stadt-Anzeiger“, dass es unter den politischen und rechtlichen Umständen schwierig geworden sei, die Notfallpraxis zu betreiben. Die Debatte laufe seit zwei Jahren. „Deswegen müssen wir jetzt mit den Mitgliedern diskutieren, wie wir damit umgehen.“…Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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